Erst mit ihrem zweiten Album "Back To Black" brach Winehouse sämtliche Rekorde im britischen Showbusiness: acht Millionen verkaufte Exemplare, fünf Grammys und zahllose andere Preise sprechen eine deutliche Sprache.
Aber mit "Frank" begann bereits der Mythos Amy. Als das Album ohne große Promotion erschien, entdeckte die britische Musikkritik umgehend den neuen Star: "Winehouse klingt als wäre sie Tausend Mal in verrauchten Jazzclubs aufgetreten", schrieb der "Guardian" am 17. Oktober 2003, "also verwundert, dass sie erst 19 ist und in Nord-London aufwuchs." "Frank" war ein schonungslos offenes, ein unglaublich persönliches Debüt. Ein Album voller Sex, roher emotionaler Tiefe, voller Jazz und Soul und doch auch mit einem untrüglichen Anschlag der Nullerjahre. Die Referenzen: Mal so nebenbei zitiert Winehouse die Jazz-Diva Sarah Vaughan mit der Melodie von "Lullaby Of Birdland". Ihr Freund - schlechter Umgang - trägt ein T-Shirt der Beastie Boys. Im Booklet des Albums: ein Foto von zwei High Heels, die auf einem dreckigen Bordstein herumliegen. Das eine Foto erzählt mehr über Winehouse und darüber, was da kommen sollte, als sämtliche Tabloidgeschichten, die man später über sie ertragen musste. Das von Salaam Remi (Fugees, Joss Stone, Nas) produzierte Debüt nominierte man 2004 für zwei Brit-Awards und für den prestigeträchtigen Mercury Music Price.
Wie wunderschön sie damals aussah! Es war schon alles da, sowohl im Guten als auch im Tragischen. Als "Frank" 2007 auch in den USA erschien, schrieb Entertainment Weekly: "
noch Größeres sollte von ihr kommen. Aber Winehouse wird vielleicht nie wieder einen besseren Song als "F--- Me Pumps" schreiben. "Nun erscheint die lang erwartete Deluxe-Edition von "Frank". Neben dem grandiosen Originalalbum enthält sie eine Bonus-CD mit 17 zusätzlichen Tracks - vier davon bisher unveröffentlicht. Die Original-Demos von "Take The Box", "What Is It About Men" und von "I Heard Love Is Blind" sind dabei. Außerdem umfasst die Trackliste rare Single-B-Seiten, Live-Mitschnitte und Remixe: etwa den MJ Cole-Remix von "F--- Me Pumps" oder - besonderes Highlight - den Sejjis Buggin Mix von "Take The Box". Auf ihm hört man: via Salaam Remi ging die frühe Amy Winehouse damals auch in der Broken Beat-Szene der britischen Hauptstadt auf. Und funkier kann Techno nicht klingen als auf dem CJ Harmonic 33-Remix von "Stronger Than Me".
Der Rest ist Pop-Geschichte.
Mit ihrem Debut-Album "Frank" zeigt die erst 19 jährige Amy Winhouse, dass sie zu den originellsten, ehrlichsten und mutigsten Singer-Songwritern der letzten Jahre gehört.
"Frank" das sind starke, oft erotisch geladene Vocals, bedrückend ehrliche Lyrics untermalt von sanften Trompetenklängen und entspannte Beats zu spartanischer Gitarre. Im Verlauf von 13 Songs verbindet Amy R´n´B, Jazz und Hip Hop zu einer perfekten Basis für ihre stimmlichen Eskapaden. Heraus kommt spielerischer und durchaus arroganter, tja nennen wir es "Amy-Jazz". Wer auf Jazz und Soul steht gibt seiner Plattensammlung hiermit den letzten Schliff.
Auf der einen Seite ist Amy Winehouse im Laufe des Jahres 2007 verstärkt auf ihre Abstürze und Exzesse reduziert worden. Erst im Oktober musste sie im norwegischen Bergen eine Nacht in Untersuchungshaft verbringen - wegen sieben Gramm Marihuana auf dem Hotelzimmer. Auf der anderen Seite wird sie nach ungezählten Awards und Huldigungen bereits im Alter von 24 Jahren "die Winehouse" genannt. Ein menschliches Gesamtkunstwerk also, das über den vorangestellten bestimmten Artikel wie bei "die Knef" oder "die Callas" gekennzeichnet ist. In diesem hysterischen Karrierestadium kommt eine DVD gerade recht, die nicht nur ihr stimmungsvolles Ballroom-Konzert im Shepards Bush Empire eingefangen hat. Hier stakst die Winehouse im kurzen Mini-Kleichen durch ihre souverän groovende Band und sorgt dafür, dass Soulsongs wie "Tears Dry On Their Own" oder "Back To Black" im 21. Jahrhundert verortet sind. Dazu gibt es nämlich auch eine etwa 45minütige Dokumentation, die den Karriereweg der Soulqueen aus Southgate in Interviews und Originalausschnitten nachzeichnet. Ihr Taxi fahrender Vater enthüllt, dass Amys ursprünglicher Traumberuf Kellnerin auf Rollschuhen war und dass in der Familie immer Strophengesang am heimischen Küchentisch geprobt wurde. Der Mensch hinter der kontroversen Diva kommt zum Vorschein. Und damit wird Amys urbritischer Aufstieg aus der working class zur Bühnen-Queen deutlich, die selbst das Soul-Mutterland USA im Sturm genommen hat. Leben und Werk zwischen den Extremen.